KOF Swiss Economic Institute

04/22/2026 | News release | Distributed by Public on 04/22/2026 02:24

«Bildung ist wichtig – gerade im Zeitalter von KI»

Kommen wir zu einem anderen grossen Thema: Künstliche Intelligenz. Wie beurteilen Sie die bisherigen Entwicklungen? Und was erwarten Sie für die Zukunft?

Hans Gersbach: Künstliche Intelligenz ist die Technologie, die menschliches Verhalten am tiefgreifendsten verändern wird. Zum ersten Mal sind die Kraft des Wortes, die Fähigkeit zur Argumentation, zur Analyse und zur Überzeugung nicht mehr ausschliesslich dem Menschen vorbehalten. Aus meiner Sicht ist KI die schnellste disruptive Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft, die wir je gesehen haben. Die Erwartungen an die Produktivitätsgewinne sind entsprechend enorm, zugleich ist die Bandbreite der Einschätzungen dazu aber sehr gross. Breite Wirkung werden diese Effekte dann entfalten, wenn sich auch das Umfeld mitentwickelt, etwa durch Weiterbildung, institutionelle Anpassungen und angepasste soziale Sicherungssysteme. Noch nicht wirklich sichtbar sind die messbaren Effekte des Einsatzes von KI bislang in den Produktivitätszahlen. Das ist allerdings nicht überraschend, weil derzeit vor allem stark investiert wird und es Zeit braucht, bis sich diese Investitionen in den Produktivitätszahlen niederschlagen. Hier am Institut planen wir im KI-Bereich einiges und arbeiten bereits heute an verschiedenen Themen. In naher Zukunft werden wir sicherlich auch in die Entwicklung von KI-Agenten einsteigen.

Jan-Egbert Sturm: Die KI-Entwicklung wird uns mittel- und langfristig sehr stark tangieren. Wir haben im vergangenen Jahr die erste Studie veröffentlicht, in der die Arbeitsmarkteffekte von KI untersucht wurden. Der Arbeitsmarkt ist als allerstes betroffen, weil teils andere Fähigkeiten gebraucht werden. Das bedeutet aber nicht, dass Bildung und Weiterbildung unwichtiger werden. Ich glaube eher das Gegenteil. Die jüngsten Studien, die ich in diesem Kontext gesehen hab, deuten alle drauf hin, dass die Produktivitätsgewinne am stärksten sind bei Personen, die gut ausgebildet sind und mit diesen neuen Tools umgehen können. Natürlich sieht man allerdings eine Verschiebung der Produktionsprozesse dort, wo diese Tools zum Einsatz kommen. Bei KI ist es aber auch wichtig zu verstehen, was möglich ist und wo die Grenzen sind. Und wir dürfen nicht vergessen, dass der Mensch ein soziales Wesen ist. Das wird KI nicht ersetzen können. Soziale Fähigkeiten werden wahrscheinlich eher wichtiger als unwichtiger werden. Der Mensch überlegt und tauscht sich gerne mit anderen Menschen aus. Und natürlich wird er dabei unterstützt von der KI, aber ich sehe noch nicht, dass das voll und ganz ersetzt wird.

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