WHO - World Health Organization Regional Office for Europe

07/24/2026 | Press release | Archived content

West-Nil-Virus: Was Sie angesichts der steigenden Fallzahlen in Teilen Europas wissen müssen

In Anbetracht der zunehmenden Fälle von Erkrankungen am West-Nil-Virus in Teilen des Kontinents und der gerade erst beginnenden Übertragungszeit appelliert das WHO-Regionalbüro für Europa dringend an die Länder, die Überwachung von Stechmücken und die Aufklärung der Öffentlichkeit über Schutzmaßnahmen zu verstärken. Für die meisten Menschen ist das Risiko nach wie vor gering, doch sollten alle, die in einem betroffenen Gebiet leben oder dorthin reisen, grundlegende Vorkehrungen zur Vermeidung von Mückenstichen treffen und die Anzeichen für eine schwere Erkrankung kennen, falls sie selbst oder Personen aus ihrem näheren Umfeld erkranken.

Aktuelle Lage

Am stärksten ist der Anstieg in jüngster Zeit in Griechenland: Mit Stand vom 22. Juli bestätigten die nationalen Gesundheitsbehörden 21 Fälle beim Menschen, davon allein 14 in der vergangenen Woche. 20 der 21 Patienten entwickelten eine neuroinvasive Erkrankung, darunter Hirnhautentzündung oder Meningitis, und 13 befinden sich nach wie vor im Krankenhaus. Die größte geografische Ausbreitung ist in Italien festzustellen, wo 21 Fälle in 17 verschiedenen Gebieten bestätigt wurden (Stand:15. Juli). Lokal übertragene Fälle beim Menschen wurden zudem aus Nordmazedonien (2), Rumänien (2) und Spanien (2) gemeldet.

Infektionen durch Stechmücken

Das West-Nil-Virus wird durch den Stich einer infizierten Mücke übertragen. In Europa treten Infektionen beim Menschen zumeist während der Mückensaison auf, in der Regel vom späten Frühjahr bis zum Herbst, wobei die höchste Übertragungsrate normalerweise zwischen Juli und September zu beobachten ist. Für Menschen gibt es weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine spezifische antivirale Therapie. Die Behandlung beschränkt sich auf die Linderung der Symptome und bei schweren Fällen auf eine unterstützende Versorgung im Krankenhaus.

"Das West-Nil-Virus ist keine neue Bedrohung, doch die Bedingungen, die seine Ausbreitung begünstigen, ändern sich derzeit rasch", erklärte Dr. Hans Henri P. Kluge, WHO-Regionaldirektor für Europa. "Bei wärmeren Temperaturen und längeren Sommern haben Mücken mehr Zeit und Raum für die Übertragung dieses Virus. Die Infektionen verlaufen meistens mild, nehmen bei etwa einem von 150 Infizierten jedoch einen schweren Verlauf, der das zentrale Nervensystem beeinträchtigt, was lebensbedrohlich sein kann. Einfache Maßnahmen wie das Bedecken der Haut, die Verwendung von Insektenabwehrmitteln und das Entfernen von stehendem Wasser im eigenen Umfeld können sich als überaus wirksam erweisen. Wer nach einem Mückenstich hohes Fieber, Hautausschlag oder Nackensteifigkeit bekommt, sollte sich sofort ärztlichen Rat holen."

Mücken nehmen das West-Nil-Virus auf, indem sie infizierte Vögel als Wirte nutzen, und übertragen es durch Stiche auf Menschen und andere Tiere. Auch Übertragungen durch Organtransplantation, Bluttransfusion, Schwangerschaft und Stillen wurden nachgewiesen, sind allerdings selten. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch durch alltäglichen Kontakt wurde noch nie verzeichnet.

Schutz vor Infektionen

Zur Verringerung des Risikos von Mückenstichen empfiehlt WHO/Europa folgende Maßnahmen:
  • Tragen Sie leichte, den Großteil des Körpers bedeckende Kleidung, darunter lange Ärmel und Hosen.
  • Halten Sie sich in der Dämmerung, wenn Mücken am aktivsten sind, möglichst wenig im Freien auf.
  • Bringen Sie an Fenstern und Türen Fliegengitter an, um Mücken draußen zu halten.
  • Tragen Sie ein Mückenabwehrmittel mit zugelassenen Wirkstoffen entsprechend den Anweisungen des Herstellers auf. Bei kleinen Kindern sollte ein Erwachsener das Insektenabwehrmittel auftragen und darauf achten, dass es nicht auf die Hände oder in die Nähe der Augen und des Mundes des Kindes gelangt.
  • Schlafen Sie möglichst in einem klimatisierten Raum, nutzen Sie Ventilatoren oder bringen Sie Moskitonetze über Betten und Babytragen an. Auch durch das Besprühen der Schlafbereiche mit einem wirksamen Insektizid lässt sich das Risiko mindern.
Das Beseitigen von Mückenbrutstätten rund um das Haus senkt das Risiko ebenfalls. Dazu gehört, stehendes Wasser in Töpfen, Behältern und anderem Unrat zu entfernen, Müll ordnungsgemäß zu entsorgen sowie Wasserbehälter regelmäßig abzudecken, zu leeren und zu reinigen.

Auch die Gemeinden können dazu beitragen, die Mückenbrut zu verringern, indem sie stehendes Wasser in öffentlichen und privaten Räumen nach Möglichkeit beseitigen.

Erkennen von Symptomen

Etwa 70-80 % der Menschen, die sich mit dem West-Nil-Virus infizieren, entwickeln keine Symptome. Bei denjenigen mit Symptomen kommt es möglicherweise zu Fieber, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Gliederschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen sowie mitunter zu Hautausschlag oder geschwollenen Lymphknoten. Ein schwerer Krankheitsverlauf kann zu hohem Fieber, Nackensteifigkeit, Orientierungslosigkeit, Zittern, Krämpfen, Muskelschwäche, Lähmungen oder Koma führen.

Sollten bei Ihnen nach der Rückkehr aus einem Gebiet, in dem das West-Nil-Virus zirkuliert, Symptome auftreten, suchen Sie bitte umgehend einen Arzt auf.

Wer schwere Symptome aufweist, sollte dringend medizinische Versorgung in Anspruch nehmen. Die Behandlung besteht im Wesentlichen aus Ruhe, Flüssigkeitszufuhr, Schmerzlinderung und in schweren Fällen einer unterstützenden Versorgung im Krankenhaus.

Eine Infektion mit dem West-Nil-Virus kann durch eine Laboruntersuchung bestätigt werden, die je nach Krankheitsstadium den Nachweis virusspezifischer Antikörper oder viraler RNA umfasst.

WHO - World Health Organization Regional Office for Europe published this content on July 24, 2026, and is solely responsible for the information contained herein. Distributed via Public Technologies (PUBT), unedited and unaltered, on August 06, 2026 at 19:18 UTC. If you believe the information included in the content is inaccurate or outdated and requires editing or removal, please contact us at [email protected]