05/01/2026 | Press release | Distributed by Public on 05/01/2026 00:02
1. Mai 2026
Interessierte können die Originalprotokolle und Transkriptionen gleichzeitig einsehen und lesen.
Das Staatsarchiv hat die handschriftlichen Kantonsratsprotokolle von 1848 bis 1927 digitalisieren und mittels KI automatisch transkribieren lassen. Mithilfe der Transkriptionen können die historischen Quellen einfacher gelesen und durchsucht werden.
Das Staatsarchiv liess die Protokollbände 2024 zunächst digitalisieren. In Zusammenarbeit mit der Europäischen Vereinigung READ-COOP an der Universität Innsbruck wurden die digitalen Protokolle daraufhin mithilfe der KI gestützten Handschriftenerkennungssoftware «Transkribus» in Maschinenschrift übertragen. Über eine benutzerfreundliche Online-Plattform können Interessierte heute sowohl die Originalprotokolle als auch die dazugehörigen Transkriptionen gleichzeitig einsehen und lesen.
Die Protokollserien des Kantonsrates geben nicht nur Einblick in eine bewegte Phase der kantonalen Geschichte, sondern dokumentieren auch eine Zeit grundlegender politischer Weichenstellungen in der wichtigen Anfangsphase des Kantons Schwyz. In ihnen spiegeln sich die Aushandlungsprozesse über Zuständigkeiten zwischen Kanton, Bezirken und Gemeinden ebenso wie Debatten über zentrale staatliche Fragen, etwa zur territorialen Abgrenzung von Ortschaften und Bezirken, zum Steuersystem oder zu bedeutenden Infrastrukturvorhaben.
Titelblatt der ersten Sitzung des Kantonsrats am 14. März 1848. STASZ, HA.VII.29003, S. 5.Der Schwyzer Kantonsrat trat im neu gegründeten Bundesstaat erstmals am 14. März 1848 zusammen, nur zwei Tage nach seiner Wahl. Die Anfangsjahre des Kantons Schwyz innerhalb des neuen staatlichen Gefüges waren von zwischenkantonalen Spannungen und der schrittweisen Integration in den Bundesstaat geprägt. In den Jahrzehnten nach 1848 bestimmten politische Konflikte und ein ausgeprägter Kulturkampf zwischen liberalen und konservativen Kräften das Geschehen, besonders im Zusammenhang mit der Revision der Bundesverfassung von 1874. Ab Mai 1913 wurden die Protokolle mit der Schreibmaschine verfasst - rund sechs Jahre bevor der Regierungsrat ebenso auf die Schreibmaschine umstieg.
Volltextsuche lädt zum Stöbern ein
Zwar erreicht das eingesetzte, KI gestützte Schrifterkennungsmodell keine vollständige Fehlerfreiheit, doch sind die Resultate beeindruckend. Dies ist unter anderem der gleichmässigen und gut lesbaren Handschrift in den Kantonsratsprotokollen zu verdanken. Trotz vereinzelter Ungenauigkeiten sind die Transkriptionen sehr gut verständlich und stellen eine wertvolle Unterstützung beim Lesen der handschriftlichen Einträge dar. Der Einstieg auf die Online-Plattform erfolgt via Homepage des Staatsarchivs.
Die Protokollbände lassen sich benutzerfreundlich durchblättern. Hinzu kommt eine Volltextsuche, deren intelligente Suchmaschine selbst falsch transkribierte Begriffe findet. So führt etwa eine Suche nach der «Kriegskostenfrage» zu Debatten aus verschiedenen Protokollbänden der 1850er-Jahre, in denen die Frage der Kriegskostenzahlungen der Sonderbundskantone verhandelt wurde. Der Suchbegriff «Tanzverbot» wiederum eröffnet Einblicke in zeitgenössische Diskussionen über das Tanzen an christlichen Feiertagen und erlaubt damit sozial- und kulturgeschichtliche Perspektiven.
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