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10/07/2026 | Press release | Distributed by Public on 10/07/2026 03:03

Warum fühlen wir uns in einer vernetzten Welt allein? Einblicke in die Allianz Studie „Sense of Community“

Warum fühlen wir uns in einer vernetzten Welt allein? Einblicke in die Allianz Studie "Sense of Community"

Allianz SE | München | 07.10.2026

Die Allianz hat Menschen in fünf Ländern gebeten, eine Woche lang in Online-Videotagebüchern von ihrem Alltag zu berichten. Die Studie zeigt: Gemeinschaften zerbrechen nicht in erster Linie an offenen Konflikten. Vielmehr ziehen sich Menschen schon zurück, bevor ein Konflikt entsteht, weil ihnen das Vertrauen fehlt, sich überhaupt einzubringen.

Was ist die Allianz Sense of Community Studie?

Die Allianz Studie Sense of Community untersucht, wie Menschen Zugehörigkeit heute erleben, wodurch sie belastet wird und wie sie sich wieder aufbauen lässt. Im Auftrag der Allianz führte die Forschungsagentur STURMundDRANG eine Online-Ethnografie durch. Teilnehmende in den USA, Deutschland, Italien, Indonesien und Brasilien hielten dafür 2026 sieben Tage lang ihren Alltag in täglichen Videotagebüchern fest.

Die Studie ist Teil von " Power of Unity", dem mehrjährigen Allianz Programm, das im November 2024 gestartet wurde, um dem Vertrauensverlust in gesellschaftliche Institutionen entgegenzuwirken. Während der Allianz Social Resilience Index gesellschaftliche Resilienz misst, fragt diese Studie danach, wie Menschen sie erleben. Ziel ist es, besser zu verstehen, wie die Allianz wirtschaftliche Stabilität und Wohlstand zum Nutzen unserer Kundinnen und Kunden sowie der Gesellschaft fördern kann.

Was hat die Studie ergeben?

Die größte Bedrohung für Gemeinschaft ist nicht offene Polarisierung, sondern Rückzug. In allen fünf Märkten beschrieben Menschen, dass sie sich aus alltäglichen Kontakten zurückziehen, noch bevor es zu einem Konflikt kommt.

Die Studie bezeichnet diese verlorene Fähigkeit als social confidence: das Vertrauen in sich selbst, in andere und in das System, das Menschen benötigen, um sich auf gesellschaftliches Miteinander einzulassen, sich darin zurechtzufinden, es zu pflegen und gestörte Beziehungen wiederherzustellen. Social confidence ist demnach wie ein Muskel, der durch Training wächst, derzeit aber zunehmend verkümmert.

Der Wunsch nach Gemeinschaft ist jedoch nicht verschwunden. Die Teilnehmenden sehnten sich weiterhin nach Zugehörigkeit; verloren gegangen war vielmehr die Bereitschaft, entsprechend zu handeln. Die Studie beschreibt einen Teufelskreis: Vorsichtige, distanzierte Begegnungen erzeugen weniger Nähe. Das bestätigt die eigene Zurückhaltung, sodass Menschen sich noch weiter zurückziehen. Häufig suchen sie Zuflucht in maßgeschneiderten digitalen oder analogen Blasen. Wer sich nur mit Gleichgesinnten umgibt, die die eigenen Ansichten bestätigen, verlernt zunehmend, sich mit anderen Positionen auseinanderzusetzen. Dadurch verlieren Menschen nicht nur Vertrauen, sondern auch die Übung, die sie brauchen, um Debatten zu führen. Der soziale Muskel verkümmert weiter.

Alle Namen der Teilnehmenden sind Pseudonyme. Zum Schutz ihrer Privatsphäre werden Altersgruppen angegeben.

"Ich habe einfach nach und nach aufgehört, mit anderen zu interagieren, und irgendwann gewissermaßen ganz aufgegeben."
- Sadia, USA, 40-49 Jahre
"Wir schaffen es deshalb nicht, Beziehungen aufzubauen, weil es uns gleichgültig wäre. Wir scheitern, weil sich alltägliche menschliche Begegnungen zunehmend wie ein psychologisches Risiko anfühlen."
- Europa Bendig, Gründerin und Geschäftsführerin, STURMundDRANG

Was ist social confidence?

Social confidence bedeutet Handlungsbereitschaft, innere Sicherheit und die Überzeugung, dass ein gutes, vorhersehbares und sicheres Ergebnis möglich ist. Die Studie unterscheidet drei Dimensionen. In allen drei verlieren Menschen an Vertrauen.

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Dimension Worum es geht Was Menschen heute sagen
Vertrauen in sich selbst Die Fähigkeit, sich einzubringen "Ich bezweifle, dass ich die Energie, die Fähigkeiten und die emotionale Stärke habe, um teilzunehmen und etwas beizutragen."
Vertrauen in andere Zwischenmenschliche Sicherheit "Ich bezweifle, dass andere mir mit Wohlwollen, Anerkennung und Fairness begegnen."
Vertrauen in Systeme Ob das Umfeld funktioniert "Ich bezweifle, dass Rahmenbedingungen, Regeln, Institutionen und Strukturen eine sichere, sinnvolle und zugängliche Teilhabe ermöglichen."
Jede Dimension erfordert eine andere Antwort: eine niedrigere Zugangshürde, sichtbare Anerkennung oder ein Umfeld, das nachweislich funktioniert.

Warum ist es heute schwieriger dazuzugehören?

Die Studie verweist auf drei Entwicklungen. Der Alltag ist wettbewerbsintensiver und kräftezehrender geworden, sodass wenig Energie für soziale Kontakte bleibt. Ungezwungene öffentliche Begegnungsräume verschwinden, weil Kneipen, Plätze, Vereine und Gemeinschaftszentren schließen oder nur noch gegen Bezahlung zugänglich sind. Zugleich hat die digitale Vernetzung eine stärker urteilende Kultur hervorgebracht, die unsere Toleranz für Reibung im direkten Miteinander verringert.
"Es fehlt an echten Orten der Begegnung: Heute gibt es weniger spontane Momente für wirkliche Begegnungen - leere Plätze, Nachbarn, die einander nicht kennen, und ein immer schnellerer Alltag."
- Fabio, Brasilien, 40-49 Jahre

Welche Überzeugungen halten Menschen zurück?

Unter anhaltendem Druck verändern Menschen nicht nur ihr Verhalten. Sie formulieren auch die Überzeugungen neu, die diesem Verhalten zugrunde liegen. Die Studie identifizierte fünf solcher Überzeugungen, die in allen Märkten wiederkehrten.

Überzeugung 1. "Digital sind wir scheinbar stärker verbunden, doch wir fühlen uns dadurch einsamer."

Netzwerke ermöglichen Kontakte, ohne Bindungen zu schaffen.
"Wir glauben, wir seien hypervernetzt ... doch in Wirklichkeit sind wir zunehmend allein." (Lorena, Italien, 30-39 Jahre)

Überzeugung 2. "Ich kann anderen nicht vertrauen. Sie urteilen über mich und reden hinter meinem Rücken."

Begegnungen wirken weniger nachsichtig und schwieriger zu reparieren. Deshalb zensieren sich Menschen selbst.
"Man muss sehr genau aufpassen, was man sagt, wie man es sagt und zu wem ..." (Iris, Deutschland, 20-29 Jahre)

Überzeugung 3. "Fürsorge ist zu einer riskanten Abwägung geworden."

Gemeinschaft wird als Geben und Nehmen bewertet. Zugleich wächst die Sorge, sich einzubringen, ohne dafür Wertschätzung zu erfahren.
"Sie melden sich nur bei mir, wenn sie etwas brauchen." (Rocco, Italien, 20-29 Jahre)

Überzeugung 4. "Mir fehlen die Menschen. Die kleinsten Zeichen von Menschlichkeit sind selten und dadurch besonders wertvoll geworden."

Begrüßt, wiedererkannt oder gehört zu werden, hat heute mehr Bedeutung als früher.
"Wenn ich sehe, dass die Augen lächeln ... dann spüre ich etwas." (Hazar, Deutschland, 40-49 Jahre)

Überzeugung 5. "Sicher ist nur eine Gemeinschaft, in der alle gleich denken."

Menschen ziehen den Kreis der Zugehörigkeit enger, um Auseinandersetzungen zu vermeiden.
"Was uns fehlt, ist, dass Menschen sich mit anderen zusammensetzen, die nicht in ihrer eigenen Blase leben." (Gael, Brasilien, 20-29 Jahre)
Die vierte Überzeugung eröffnet einen Ausweg. Dieselben Menschen, die ihren Rückzug beschreiben, wünschen sich alltägliche menschliche Begegnungen stärker als früher.

Was lässt eine Gemeinschaft gedeihen?

Die Studie nennt vier Bedingungen.

  1. Kontakte sind unkompliziert, lokal und wiederholbar. Durch Wiederholung werden aus Fremden vertraute Menschen.
  2. Menschen fühlen sich gesehen und nicht nur einbezogen. Kleine Zeichen der Anerkennung sind der erste Beleg dafür, dass Kontakt erwünscht ist.
  3. Unterschiede bedrohen die Zugehörigkeit nicht, weil Toleranz aktiv moderiert wird.
  4. Der Beitrag beruht auf Gegenseitigkeit, sodass alle von der Teilnahme profitieren.
"Wir müssen damit beginnen, einander persönlich zu begegnen, um echte Gemeinschaften aufzubauen, denn wir sind soziale Wesen. Erst dann können wir das Digitale ergänzen ..."
- Stefano, Italien, 30-39 Jahre

Unterscheidet sich das Gemeinschaftsgefühl von Land zu Land?

Die Zurückhaltung ist überall ähnlich. Die emotionale Logik dahinter unterscheidet sich jedoch.

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Markt Wie sich Zurückhaltung zeigt Zentrale emotionale Logik
Deutschland Meinungen werden schnell moralisch bewertet. Menschen achten darauf, was sie zu wem sagen, und ziehen sich aus aufgeladenen Themen zurück. "Ich könnte es falsch ausdrücken."
USA Zurückhaltung ist mit Identität, Politik und Medien verknüpft. Der nationale Diskurs wirkt polarisiert, das Leben vor Ort weniger. "Ich muss wissen, dass dieser Raum sicher ist, bevor ich ich selbst sein kann."
Italien Weniger offene Aggression, dafür mehr emotionaler Selbstschutz. Offenheit wird geschätzt, fühlt sich aber riskant an. "Ich wünsche mir Offenheit, aber nicht um den Preis emotionaler Verletzlichkeit."
Indonesien Das Streben nach Harmonie führt dazu, dass Konflikte eher verdrängt als offen angesprochen werden. Spannungen verlagern sich unter die Oberfläche. "Ich bleibe höflich, ziehe mich aber zurück."
Brasilien Gemeinschaften verstehen sich als offen, doch Unterschiede können bewertet oder ausgegrenzt werden. "Wenn ich hier nicht akzeptiert werde, finde ich anderswo Zugehörigkeit."

In jedem Markt gibt es weiterhin kulturelle Anknüpfungspunkte, die Gemeinschaft stiften: Vereinskultur und Grillabende in Deutschland, interessen- und zweckorientierte Gruppen in den USA, alltägliche Anerkennung in Italien, dirangkul, also das Aufgenommenwerden in eine Gruppe, in Indonesien sowie mutirão, das gemeinsame Lösen eines Problems, in Brasilien.

Ein hoher Wert bei der gesellschaftlichen Resilienz beseitigt die alltägliche Erfahrung von Zurückhaltung nicht. Deutschland belegt im Allianz Social Resilience Index Platz 8 von 171 Volkswirtschaften. Dennoch berichteten deutsche Teilnehmende, dass sie genau darauf achten, was sie zu wem sagen, und sich aus aufgeladenen Themen zurückziehen.

Wer hat womit am meisten zu kämpfen?

Die Hürden unterscheiden sich je nach Gruppe.

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Gruppe Was sie hindert Was sie zurückbringt
Generation Z und Millennials Vertrauen in sich selbst. Viele berichten, dass sie verlernt haben, ein persönliches Gespräch zu beginnen. Eine möglichst niedrige Zugangshürde.
Generation X und Babyboomer Vertrauen in Systeme. Rascher Wandel fühlt sich selbst am eigenen Wohnort wie ein Bruch an. Fähigkeiten weitergeben und Institutionen, die langfristig Verantwortung übernehmen.
Frauen Höhere Sensibilität für unmoderierte Spannungen und alltägliche Aggression im öffentlichen Raum. Räume, die sichtbar von geschulten Moderatorinnen und Moderatoren begleitet werden.
Männer Rückzug in die Isolation und Zurückhaltung gegenüber Formaten, bei denen Gespräche im Mittelpunkt stehen. Eine gemeinsame Aufgabe oder ein praktisches Projekt.
Teilnehmende aus ländlichen Gebieten Etablierte Kreise bestimmen den Zugang zu bestehenden Strukturen. Eine vermittelnde Person, die Neuzugezogene einbindet.
Teilnehmende aus Städten Reizüberflutung und Anonymität zugleich. Den Bezirk auf die unmittelbare Nachbarschaft herunterbrechen.

Welche Rolle kann die Allianz spielen?

Die Studie zieht eine klare Grenze: Es geht darum, die Voraussetzungen für Gemeinschaft zu schaffen, nicht darum, sie zu vereinnahmen. Nach Aussage der Teilnehmenden ist institutionelles Engagement glaubwürdig, wenn es bereits sichtbar wird, bevor Dienstleistungen angeboten werden, und wenn es Bestehendes unterstützt. Es sollte zudem lokal und greifbar bleiben, Eigenständigkeit wahren und sich im Alltag als nützlich erweisen, nicht erst in Notfällen.

Daraus ergibt sich für die Allianz ein Rollenwechsel: weg vom Schutz Einzelner nach einem Verlust, hin zur Stärkung von social confidence, bevor Menschen sich zurückziehen. Die Studie schlägt drei Handlungsfelder vor, eines für jede Dimension von social confidence.

  1. Menschen lokal verankern: niedrigschwelliger Zugang zu lokalen Räumen und gemeinsamen Ritualen, an denen man teilnehmen kann, ohne Geld ausgeben zu müssen.
  2. Gastgeberinnen und Gastgeber von Gemeinschaften stärken: Unterstützung für Organisierende, Moderierende und Ehrenamtliche, die Gemeinschaften zusammenhalten, damit lokale Verantwortliche mehr bewirken können und sich weniger allein fühlen.
  3. Vertrauen in gemeinsames Handeln stärken: Vorsorge im Alltag und praktisches gemeinsames Handeln, damit Menschen das Gefühl haben, die Zukunft mitgestalten zu können.
"Das Wirkungsstärkste, was ein großer systemischer Akteur tun kann, ist, lange bevor etwas Schlimmes geschieht, präsent zu sein."
- Europa Bendig, Gründerin und Geschäftsführerin, STURMundDRANG

Was unternimmt die Allianz darüber hinaus?

Sense of Community ist die aktuelle Phase des Programms Power of Unity. Weitere Bestandteile sind die Unity Awards, die Menschen auszeichnen, die mithilfe des Sports gesellschaftliche Herausforderungen angehen, leicht zugängliche Tools und Trainings zum Erkennen von Falschmeldungen und zum Entschärfen von Spannungen, ein Thought-Leadership-Hub sowie The Middle Ground, eine Dokumentarserie über gesellschaftliche Spaltung. Allianz CEO Oliver Bäte erläuterte beim Weltwirtschaftsforum 2026, warum aktive und vernetzte Gemeinschaften wichtig sind.

Was kann ich in meiner eigenen Nachbarschaft tun?

  • Regelmäßigkeit schaffen: Ein wiederkehrender Treffpunkt, der wenig Aufwand erfordert, bewirkt mehr als eine einmalige Großveranstaltung.
  • Kosten als Zugangshürde beseitigen: Wählen Sie einen Ort, an dem niemand etwas kaufen muss, um bleiben zu können.
  • Menschen mit Namen ansprechen: Begrüßt oder wiedererkannt zu werden, ist der erste Beleg dafür, dass Kontakt erwünscht ist.
  • Eine Aufgabe anbieten, nicht nur ein Gespräch: Gemeinsames Tun eröffnet Menschen einen Weg zurück, denen Gespräche zu viel persönliche Offenheit abverlangen.
  • Die gastgebende Person unterstützen: Gemeinschaften sind auf Organisierende, Moderierende und Ehrenamtliche angewiesen, die sich kontinuierlich engagieren.

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Letzte Aktualisierung: 23. September 2026

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** Stand: 30. Juni 2026.

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