05/20/2026 | Press release | Distributed by Public on 05/20/2026 03:28
Europas Industrie steht unter massivem Druck - und die Ursachen sind strukturell, nicht nur konjunkturell. Drei tiefgreifende Schocks haben die Wettbewerbsfähigkeit zentraler Branchen dauerhaft geschwächt: Chinas Aufstieg als Industrienation, die Energiekrise sowie die US-Zollpolitik seit 2025. Deutschland ist in allen drei Fällen stärker betroffen als andere große EU-Länder. Das ergibt eine Analyse für die neueste Ausgabe des MacroScope Pharma Economic Policy Briefs.
"Das ist keine vorübergehende Delle - die Spielregeln haben sich grundlegend verändert", sagt vfa-Chefvolkswirt Dr. Claus Michelsen. "Wer jetzt nur auf kurzfristige Entlastung setzt, unterschätzt die Dimension. Europa braucht eine Antwort, die Wachstum und Standortstärke dauerhaft absichert - und die beginnt beim eigenen Binnenmarkt."
Besonders sichtbar wird der Anpassungsdruck in der Pharmaindustrie. Die USA sind für Europas Pharmaunternehmen der wichtigste Einzelmarkt. Im Durchschnitt geht ein Viertel der Pharmaexporte in die USA.
Seit dem "Liberation Day" am 2. April 2025 setzten die USA Zölle zunehmend auch als strategischen Hebel ein - nicht nur als klassisches Handelshemmnis, sondern zur Lenkung von Investitionen und zur Durchsetzung von Preiszugeständnissen. Das erhöht die Planungsunsicherheit für exportorientierte Branchen erheblich.
Die Energiekrise wirkte nicht nur in energieintensiven Industrien, sondern entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Für die Pharmabranche schlug das vor allem über Vorleistungen durch.
Ein wesentlicher Teil der Lösung ist Europa selbst. Der Binnenmarkt ist das größte ungenutzte Potenzial - gerade für innovative Branchen. In der Pharmaindustrie sind die Rahmenbedingungen jedoch unnötig kompliziert: 27 fragmentierte Erstattungssysteme, fehlende Skalierbarkeit und verzögerter Marktzugang kosten Investitionen, die andernorts - etwa in den USA oder China - realisiert werden.
Michelsen: "Europa hat eine weitere Stärke, die wir schnell vergessen: In einer Welt zunehmender Unsicherheit hat Verlässlichkeit einen großen Wert. Stabile rechtliche Rahmenbedingungen, berechenbare Märkte und langfristige Planungssicherheit sind Assets, mit denen derzeit weder die USA noch China ohne Weiteres konkurrieren können." Die jetzt vorgeschlagenen nationalen Eingriffe werden dagegen diese Standortqualität deutlich schwächen.
Die gesamte Analyse lesen Sie in der neuen Ausgabe MacroScope Pharma Economic Policy Briefs.
Der vfa ist der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen in Deutschland. Er vertritt die Interessen von 49 weltweit führenden Herstellern und ihren rund 90 Tochter- und Schwesterfirmen in der Gesundheits-, Forschungs- und Wirtschaftspolitik. Die Mitglieder des vfa stehen für mehr als die Hälfte des deutschen Arzneimittelmarktes und beschäftigen in Deutschland rund 100.000 Mitarbeiter:innen. Rund 20.000 davon arbeiten in Forschung und Entwicklung.
Folgen Sie uns auf unseren Social Media Kanälen:
LinkedIn
Instagram
YouTube