EMB - European Milk Board

02/25/2026 | Press release | Distributed by Public on 02/25/2026 05:37

EMB-Präsidenten warnen auf SIA eindringlich vor Milchkrise

Auf dem Salon International de l'Agriculture (SIA) in Paris haben der EMB-Präsident Kjartan Poulsen und der EMB-Vizepräsident Boris Gondouin eindringlich vor einer dramatischen Zuspitzung der Lage auf dem europäischen Milchmarkt gewarnt. Viele Höfe arbeiten schon wieder weit unter Kostendeckung und geraten immer weiter in eine existenzbedrohende Situation. Das ist kein tragfähiges Modell für Europas Milchproduktion.

Im EU-Parlament schätzen konstruktive Abgeordnete die Lage realistisch ein und haben in der gestrigen Sitzung des Agrarausschusses dafür gesorgt, dass das Thema auf die Tagesordnung einer der kommenden Sitzungen gesetzt wird. Damit wird die EU-Kommission auch von dieser Seite mit diesem sehr wichtigen Thema konfrontiert, denn sie soll dann zur Milchmarktsituation berichten und sich den Fragen des Parlaments stellen. Für die Erzeuger ist entscheidend, dass daraus auch ein konkretes Handeln der Kommission folgt: die Aktivierung des freiwilligen Lieferverzichts!

Dramatische Marktsituation - jetzt handeln!

Die strukturelle Lage bleibt hochproblematisch:

  • Die Milchmenge ist weltweit auf einem zu hohen Niveau und die Erzeugerpreise reagieren darauf mit starkem Abwärtstrend, während die Kosten hoch bleiben

  • Preisdruck durch internationalen Wettbewerb verschärft die Situation

Das EMB fordert deshalb die sofortige Aktivierung des freiwilligen Lieferverzichts auf EU-Ebene als zentrales Kriseninstrument. Der freiwillige Lieferverzicht hat bereits in früheren Krisenphasen gezeigt, dass:

  • Produktionsmengen rasch und marktwirksam reduziert werden können,

  • Preisdruck abgefedert wird und die Betriebe eine wirtschaftliche Atempause erhalten,

  • Marktstabilität schneller wiederhergestellt wird als durch passive Krisenverwaltung.

"Der Markt darf nicht in der Überproduktion verweilen", so der EMB-Präsident. "Ein verantwortungsvoll temporär gesteuerter Mengenrahmen ist kein Eingriff gegen den Markt - er ist Voraussetzung für funktionierende Märkte."

Faire Milch: Verantwortung & faire Preise

Neben der Krisenanalyse stand auf der SIA auch das Thema Faire Milch im Mittelpunkt. Am Stand von FaireFrance präsentierte sich das EMB gemeinsam mit den französischen Partnern. Das Projekt FaireFrance zeigt eindrucksvoll, wie Wertschöpfung gerechter verteilt werden kann. "Faire Milch ist kein Marketinginstrument - sie ist ein Modell für Zukunftsfähigkeit", erklärte der EMB-Vizepräsident Boris Gondouin.

Das Engagement der französischen Kolleginnen und Kollegen wurde vom EMB ausdrücklich gewürdigt. "Was hier und auch von den tollen Faire Milch Projekten in anderen Ländern aufgebaut wurde, ist beispielhaft für Europa", so Kjartan Poulsen. "FaireFrance und die Kollegen der Fairen Milch aus Deutschland, Luxemburg, Belgien und der Schweiz zeigen, wie bäuerliche Betriebe durch Eigeninitiative und Solidarität wieder Gestaltungsmacht gewinnen."

Die Botschaft des EMB auf der SIA ist eindeutig: Europa braucht eine aktive Marktpolitik und aktive Instrumente gegen Krisen - jetzt! Europa braucht seine Bauern und das Projekt der fairen Milch. Europa braucht faire Preise: für die Erzeuger, für eine solide Nahrungsmittelversorgung, für die Verbraucher!


Hintergrund: Was ist der freiwillige Lieferverzicht

Der freiwillige Lieferverzicht ist ein krisenpolitisches Instrument der EU-Agrarmarktordnung. Milcherzeuger reduzieren dabei freiwillig und zeitlichbefristet ihre Milchliefermenge und erhalten dafür eine Ausgleichszahlung. Ziel ist es, bei Marktkrisen Überproduktion schnell abzubauen, den Preisdruck zu stoppen und die Erzeugerpreise zu stabilisieren - ohne Zwang und ohne dauerhafte Produktionskürzungen. Diese Preisstablisierung hatte nach Einsatz des Instrumentes 2016/ 2017 schnell und gut funktioniert.

Der freiwillige Lieferverzicht setzt direkt bei der Ursache der Krise an, nämlich bei der Überproduktion. Im Gegensatz zur Intervention oder zur privaten Lagerhaltung wird das Problem nicht nur verschoben, sondern die überschüssige Milchmenge gar nicht erst produziert. Dadurch entstehen keine teuren Lagerbestände, keine späteren Dumpingverkäufe und kein erneuter Preisdruck. Der Markt wird schneller stabilisiert, die öffentlichen Kosten bleiben geringer und die Erzeuger behalten ihre unternehmerische Verantwortung. Vorbild für den freiwilligen Lieferverzicht ist das Marktverantwortungsprogramm des EMB (MVP).

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