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Auf dem Salon International de l'Agriculture (SIA) in Paris haben der EMB-Präsident Kjartan Poulsen und der EMB-Vizepräsident Boris Gondouin eindringlich vor einer dramatischen Zuspitzung der Lage auf dem europäischen Milchmarkt gewarnt. Viele Höfe arbeiten schon wieder weit unter Kostendeckung und geraten immer weiter in eine existenzbedrohende Situation. Das ist kein tragfähiges Modell für Europas Milchproduktion.
Im EU-Parlament schätzen konstruktive Abgeordnete die Lage realistisch ein und haben in der gestrigen Sitzung des Agrarausschusses dafür gesorgt, dass das Thema auf die Tagesordnung einer der kommenden Sitzungen gesetzt wird. Damit wird die EU-Kommission auch von dieser Seite mit diesem sehr wichtigen Thema konfrontiert, denn sie soll dann zur Milchmarktsituation berichten und sich den Fragen des Parlaments stellen. Für die Erzeuger ist entscheidend, dass daraus auch ein konkretes Handeln der Kommission folgt: die Aktivierung des freiwilligen Lieferverzichts!
Dramatische Marktsituation - jetzt handeln!
Die strukturelle Lage bleibt hochproblematisch:
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Die Milchmenge ist weltweit auf einem zu hohen Niveau und die Erzeugerpreise reagieren darauf mit starkem Abwärtstrend, während die Kosten hoch bleiben
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Preisdruck durch internationalen Wettbewerb verschärft die Situation
Das EMB fordert deshalb die sofortige Aktivierung des freiwilligen Lieferverzichts auf EU-Ebene als zentrales Kriseninstrument. Der freiwillige Lieferverzicht hat bereits in früheren Krisenphasen gezeigt, dass:
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Produktionsmengen rasch und marktwirksam reduziert werden können,
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Preisdruck abgefedert wird und die Betriebe eine wirtschaftliche Atempause erhalten,
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Marktstabilität schneller wiederhergestellt wird als durch passive Krisenverwaltung.
"Der Markt darf nicht in der Überproduktion verweilen", so der EMB-Präsident. "Ein verantwortungsvoll temporär gesteuerter Mengenrahmen ist kein Eingriff gegen den Markt - er ist Voraussetzung für funktionierende Märkte."
Faire Milch: Verantwortung & faire Preise
Neben der Krisenanalyse stand auf der SIA auch das Thema Faire Milch im Mittelpunkt. Am Stand von FaireFrance präsentierte sich das EMB gemeinsam mit den französischen Partnern. Das Projekt FaireFrance zeigt eindrucksvoll, wie Wertschöpfung gerechter verteilt werden kann. "Faire Milch ist kein Marketinginstrument - sie ist ein Modell für Zukunftsfähigkeit", erklärte der EMB-Vizepräsident Boris Gondouin.
Das Engagement der französischen Kolleginnen und Kollegen wurde vom EMB ausdrücklich gewürdigt. "Was hier und auch von den tollen Faire Milch Projekten in anderen Ländern aufgebaut wurde, ist beispielhaft für Europa", so Kjartan Poulsen. "FaireFrance und die Kollegen der Fairen Milch aus Deutschland, Luxemburg, Belgien und der Schweiz zeigen, wie bäuerliche Betriebe durch Eigeninitiative und Solidarität wieder Gestaltungsmacht gewinnen."
Die Botschaft des EMB auf der SIA ist eindeutig: Europa braucht eine aktive Marktpolitik und aktive Instrumente gegen Krisen - jetzt! Europa braucht seine Bauern und das Projekt der fairen Milch. Europa braucht faire Preise: für die Erzeuger, für eine solide Nahrungsmittelversorgung, für die Verbraucher!
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