03/03/2026 | Press release | Distributed by Public on 03/04/2026 01:31
Seit Beginn der Vollinvasion hat das ukrainische Gesundheitsministerium in enger Zusammenarbeit mit der Europäischen Union und den Regierungen der Partnerländer sowie mit fachlicher und operativer Unterstützung der WHO die Durchführung des medizinischen Evakuierungsprogramms gesteuert. Dieses Programm ermöglicht Ukrainern, die eine medizinische Versorgung benötigen, die in der Ukraine aufgrund des Krieges nicht oder nur begrenzt verfügbar ist, den Zugang zu fachärztlicher Behandlung und Rehabilitation im Ausland.
Aufgrund des Programms für medizinische Evakuierungen (MEDEVAC) in der Ukraine konnten Patienten, die eine Traumabehandlung, onkologische Versorgung, Behandlung von Verbrennungen, Rehabilitation oder prothetische Versorgung benötigten, lebensrettende Leistungen im Ausland in Anspruch nehmen - eine Versorgung, die andernfalls durch die Folgen des Krieges verzögert worden wäre oder gar nicht zur Verfügung gestanden hätte. Das Programm, das als schnelle Reaktion auf die durch die Eskalation des Krieges entstandene Notsituation begann, hat sich zu einem skalierbaren, nachhaltigen System entwickelt, das dauerhafte Auswirkungen auf das Leben der Menschen hat. Denn es ermöglicht nicht nur sichere Transporte in Gastländer, sondern trägt auch zur Stärkung des ukrainischen Gesundheitssystems von innen bei.
Der ukrainische Gesundheitsminister Viktor Liaschko hob die Bedeutung der Initiative für die Patienten wie auch das nationale Gesundheitssystem hervor: "Das MEDEVAC-Programm für die Ukraine ist ein Beispiel dafür, wie internationale Solidarität im Gesundheitsbereich zu greifbaren Ergebnissen führt. Durch enge Zusammenarbeit mit der Europäischen Union, der Weltgesundheitsorganisation und den Regierungen der Partnerländer haben wir eine klare Logistik geschaffen und eine abgestimmte Beteiligung aller maßgeblichen Akteure sichergestellt. Bis heute wurden etwa 6400 Ukrainer in medizinischen Einrichtungen in 33 Ländern in aller Welt behandelt. Das sind Erwachsene und Kinder, die infolge des Krieges Verletzungen und Traumata erlitten haben. Gleichzeitig bauen wir die Kapazitäten des Programms weiter aus, damit jeder Patient, der eine hochspezialisierte Behandlung benötigt, diese auch in Anspruch nehmen kann."
Mit Stand Anfang 2026 hatten im Rahmen des Programms über 6400 ukrainische Patienten in Gesundheitseinrichtungen in 33 Ländern eine kostenlose, hochwertige medizinische Versorgung erhalten. Das ukrainische Gesundheitsministerium koordiniert die Anfragen für die Patienten, die eine Behandlung oder weitere Rehabilitationsleistungen benötigen, und die Partnerländer ermitteln dann ihre Aufnahmekapazität und die Arten von Versorgung, die sie bereitstellen können. Ein Teil der Transport- und Behandlungskosten im Rahmen des medizinischen Evakuierungsprogramms wird von den Regierungen der Aufnahmeländer übernommen. Nach der medizinischen Evakuierung sind fast 4000 Patienten in die Ukraine zurückgekehrt und werden im Rahmen des nationalen Gesundheitssystems weiter versorgt.
Der Direktor für gesundheitliche Notlagen in der Europäischen Region der WHO, Ihor Perehinets, hob die operative Dimension des Programms und seine allgemeine Bedeutung hervor: "Dieses Programm ist zu einem Musterbeispiel dafür geworden, wie eine menschenwürdige, koordinierte und verantwortungsbewusste Patientenversorgung in Krisenzeiten aussehen kann, und es ist ein denkbar gutes Beispiel für die Lokalisierung in der internationalen humanitären Hilfe. Es demonstriert, wie die sichere grenzüberschreitende Verbringung von schwerkranken Patienten selbst unter Konfliktbedingungen aufrechterhalten werden kann, wenn die Koordination auf nationaler Ebene funktioniert. Für die WHO liegt das vorrangige Ziel in der Unterstützung der eigenen Systeme der Ukraine, die gewährleisten, dass der MEDEVAC-Zyklus zuverlässig funktioniert, und die die gestärkten nationalen Kapazitäten nutzen."
Zu Beginn des fünften Kriegsjahres in der Ukraine wird die Gesundheitskrise durch die Intensivierung der Kampfhandlungen, die zunehmende Energieunsicherheit und die kumulativen Auswirkungen der wiederholten Angriffe auf die zivile Infrastruktur weiter verschärft.
Der Repräsentant der WHO in der Ukraine, Dr. Jarno Habicht, erklärt: "Der Krieg stellt das ukrainische Gesundheitssystem jeden Tag vor neue Herausforderungen. Viele Patienten benötigen eine langfristige Behandlung und Rehabilitation. Wir sind unseren Partnern, der Europäischen Union und dem ukrainischen Gesundheitsministerium, zutiefst dankbar für ihre koordinierten Bemühungen, die es ermöglicht haben, Tausende von Patienten sicher zur Behandlung in medizinische Einrichtungen in ganz Europa und darüber hinaus zu evakuieren."
"Hinter jeder Evakuierung steht ein Mensch, dessen Leben durch den Krieg zutiefst erschüttert worden ist. Die Europäische Union ist stolz darauf, einen sicheren Transport und qualitativ hochwertige Behandlungen in ganz Europa zu ermöglichen und damit sicherzustellen, dass die Patienten mit Würde behandelt werden und wieder Hoffnung schöpfen können", erklärte Marianna Franco, Leiterin des Büros der Europäischen Union für humanitäre Hilfe in der Ukraine.
Hinter den Zahlen verbergen sich individuelle Geschichten von Widerstandskraft und Genesung. Viktoriia aus Kostjantyniwka im Bezirk Donezk wurde für eine Spezialoperation nach Norwegen gebracht. "Die Ärzte in der Ukraine konnten meinen Arm retten, aber die Muskeln waren schwer geschädigt, und es kam zu Nekrosen. Die Operation musste im Ausland durchgeführt werden. Jetzt habe ich Metallstifte zur Stabilisierung der Knochen im Körper", erzählt Viktoriia.
Aus der Sicht des an vorderster Front eingesetzten Gesundheitspersonals ist die menschliche Dimension dieser Überstellungen allgegenwärtig. Oleksandr Tolubaiev, Ärztlicher Leiter des I.I. Mechnikov-Krankenhauses, erläutert: "Zahlreiche Patienten durchlaufen unsere Einrichtung in Vorbereitung auf eine medizinische Evakuierung, darunter Menschen mit schweren Gesichtsverletzungen und komplexen Knochenverletzungen. Die Fälle, die einem am meisten in Erinnerung bleiben, sind oft solche, die von sozialen Umständen geprägt sind, etwa wenn ein Patient mit einer Verletzung ins Krankenhaus gebracht wird und niemand mehr an seiner Seite ist. Das sind Menschen, die zur Behandlung weggebracht werden, ohne zu wissen, was vor ihnen liegt, wie ihr Leben weitergeht oder wie sie zurückkehren und sich nach allem, was sie durchgemacht haben, anpassen werden."
Die medizinische Evakuierung erfolgt über ausgewiesene Krankenhausknotenpunkte, die den Prozess vor Ort koordinieren. Medizinische Evakuierungen werden weiterhin regelmäßig durchgeführt, und fast täglich werden Patienten zur Behandlung in medizinische Einrichtungen im Ausland gebracht. Diese Zusammenarbeit gewährleistet die Kontinuität der Unterstützung und Hilfe für ukrainische Patienten, die eine fachärztliche Versorgung benötigen.