Swisscontact - Swiss Foundation for Technical Cooperation

03/06/2026 | News release | Distributed by Public on 03/06/2026 08:25

Was, wenn wir bisher nur eine Seite der Geschichte betrachtet haben? Männer als Verbündete beim Empowerment von Frauen

  1. Home
  2. Was, wenn wir bisher nur eine Seite der Geschichte betrachtet haben? Männer als Verbündete beim Empowerment von Frauen

Was, wenn wir bisher nur eine Seite der Geschichte betrachtet haben? Männer als Verbündete beim Empowerment von Frauen

Alessandra Pellegrini, Advisor Gender Equality & Social Inclusion06.03.2026
Diese Fakten kennen wir alle: In vielen Kontexten sind Frauen und Mädchen in der Berufsbildung nach wie vor unterrepräsentiert. Und selbst wenn sie eine Ausbildung beginnen, schränken soziale Normen ihren Zugang zu einem breiten Spektrum an Ausbildungs- und Berufsmöglichkeiten häufig ein. In der Folge verbleiben sie oft in Berufen, die weniger anerkannt und schlechter entlöhnt sind - mit begrenzten Chancen auf finanziellen und beruflichen Aufstieg. Nach Abschluss einer Ausbildung gelingt vielen Frauen und Mädchen in Entwicklungs- und Schwellenländer zudem der Eintritt in den Arbeitsmarkt nicht, da gesellschaftliche Erwartungen ihnen unbezahlte Betreuungsarbeit zuschreiben und ihre Mobilität einschränken.

Obwohl uns diese Tatsachen bekannt sind, wird oft eines zu wenig berücksichtigt: Es handelt sich dabei nicht nur um ein Thema, das Frauen betrifft. Auch Männer fühlen sich häufig hilflos, wenn es darum geht, bestehende Geschlechternormen zu hinterfragen - Normen, die gleichzeitig einen hohen sozialen Druck auf sie ausüben, sich anzupassen.

Unsere Erfahrung zeigt: Erhalten Männer den Raum, über ihre eigenen Ängste, Erwartungen und Verletzlichkeiten im Zusammenhang mit Geschlechternormen zu reflektieren, entfaltet sich ihre echte Bereitschaft, das Empowerment von Frauen zu unterstützen. In manchen Fällen werden sie sogar zur treibenden Kraft hinter dem Empowerment ihrer Ehefrau oder anderen Frauen in ihrer Familie. Geschlechtergleichstellung wird so zu einem gemeinsamen Ziel, das auf gemeinsamen Interessen beruht - und ist nicht länger ein Thema, das ausschliesslich Frauen betrifft oder ein Ziel das Frauen alleine zu lösen hätten.

Um diesen Perspektivenwechsel zu unterstützen, hat Swisscontact in mehreren Ländern - darunter der Demokratischen Republik Kongo, Niger und Benin - sogenannte Reflexionsgruppen zu Männlichkeit und Geschlechtergleichstellung unterstützt. Dieser Ansatz verzichtet bewusst auf Top-down-Modelle, die Massnahmen zur Geschlechtergleichstellung ausschliesslich die Bedürfnissen von Frauen beachten.

Stattdessen basieren sie auf lokalen Auseinandersetzungen mit Geschlechternormen, die sowohl Männer als auch Frauen betreffen, und fragen danach, was Männer brauchen, um das Empowerment der Frauen zu unterstützen. Diese männlichen Reflexionsgruppen sind in die Projektinterventionen eingebettet, werden von lokalen Partnerorganisationen getragen und sind dadurch sowohl kontextrelevant als auch nachhaltig.

In der Demokratischen Republik Kongo bieten diese männlichen Reflexionsgruppen - bekannt als «écoles des maris» - geschützte Reflexionsräume für Ehemänner und männliche Familienangehörige von Frauen, die an Berufsbildungsprogrammen teilnehmen. Viele dieser Männer sind zu wichtigen Multiplikatoren in ihren Gemeinschaften geworden: Sie sprechen sich aktiv gegen geschlechtsspezifische Gewalt aus, machen Besuche bei Familien, deren Mädchen im Berufsbildungsprogramm sind, um zu verhindern, dass diese die Ausbildung abbrechen, und organisieren Gemeinschaftsforen unter Einbezug von Frauen.

Wir benötigen Ihre Zustimmung, um den YouTube Video-Service zu laden!

Wir verwenden einen Service eines Drittanbieters, um Videoinhalte einzubetten. Dieser Service kann Daten zu Ihren Aktivitäten sammeln. Bitte lesen Sie die Details durch und stimmen Sie der Nutzung des Service zu, um dieses Video anzusehen.

Dieser Inhalt darf aufgrund von Trackern, die Besuchern nicht offengelegt werden, nicht geladen werden. Der Besitzer der Website muss diese mit seinem CMP einrichten, um diesen Inhalt zur Liste der verwendeten Technologien hinzuzufügen.

Mehr Informationen Akzeptieren
powered by Usercentrics Consent Management Platform

Die Wirkung dieser Reflexionsgruppen ist für alle Beteiligten deutlich spürbar. Viele Männer berichten von einem Gefühl der Erleichterung nach der Teilnahme und erkennen, wie viel sie selbst gewinnen, wenn sie ihre Ehefrauen beim Eintritt in die Arbeitswelt unterstützen. Sie reflektieren, wie ihre bisherigen Einstellungen nicht nur das Potenzial ihrer Frauen eingeschränkt haben, sondern auch die Entwicklung ihrer gesamten Familie.

Heute sehen viele von ihnen die Chancen, die vor ihnen liegen - in Bezug auf Zusammenarbeit, persönliche Weiterentwicklung und berufliche Perspektiven, sowohl für sich selbst als auch für ihre Ehefrauen. Sie erkennen, dass gegenseitige Unterstützung und gemeinsame Entscheidungsfindung allen zugutekommen.

In einer Gemeinschaft beispielsweise setzten sich die Männer erfolgreich bei einem Arbeitgeber ein, der nach einem Brandvorfall beabsichtigte, weibliche Absolventinnen aus dem Ausbildungsprogramm auszuschliessen. Sie konnten ihn davon überzeugen, den Frauen trotzdem die Fortsetzung ihrer Ausbildung zu ermöglichen. Damit wurden sie zu starken Fürsprechern der Frauen - im Bewusstsein, wie entscheidend der Abschluss einer solchen Ausbildung für deren berufliche Zukunft ist.

Ihr Engagement entsprang einer intrinsischen Motivation: Die Auseinandersetzung mit eigenen Ängsten, sozialem Druck und Verletzlichkeiten als Männer in einer patriarchal geprägten Gesellschaft eröffnete einen mentalen Raum, der es ihnen ermöglichte, Geschlechtergleichstellung als echte Win-win-Situation zu verstehen.

Biragi Balolebwami, der selbst an einer Reflexionsgruppe zu Männlichkeit und Geschlechtergleichstellung teilgenommen hat, beschreibt es so: "Anfangs wusste ich nicht, dass ich mich mit meiner Frau zusammensetzen und mit ihr über ihr Berufsleben sprechen kann. Sie absolvierte eine Ausbildung im Bereich Elektrotechnik, doch ich ermutigte sie nicht, nach Kundinnen und Kunden zu suchen - im Gegenteil: Ich versuchte, jede Gelegenheit zu blockieren, bei der sie Arbeit hätte finden können. Heute verstehe ich, dass ich damit nicht nur die Entwicklung meiner Frau, sondern die Entwicklung unserer ganzen Familie behindert habe. Dank dieser Reflexionsgruppe bin ich nun der Erste, der sich engagiert und sie ermutigt, in ihrem Beruf voranzukommen. Und ich sehe bereits die Ergebnisse: In unserem Zuhause leben wir heute in einer Atmosphäre von Frieden, gegenseitigem Verständnis und Respekt."

Wie tiefgreifend dieser Wandel ist, zeigt ein weiteres Beispiel: Pascaline Nsimire meldete sich trotz des anfänglichen Widerstands ihres Ehemanns für eine Ausbildung zur Coiffeuse an. Sie ermutigte ihn, an einer Reflexionsgruppe zu Männlichkeit und Geschlechtergleichstellung teilzunehmen und erlebte schrittweise eine Veränderung. Heute beteiligt er sich an der Hausarbeit, unterstützt ihr Geschäft und bringt sich aktiv in familiäre Entscheidungsprozesse ein. Diese Entwicklung hat ihre Beziehung nachhaltig verändert und ihn zugleich zu einem Vorbild in der Gemeinschaft gemacht.

Diese Beispiele zeigen: Die Stärke und Entschlossenheit dieser Frauen, kombiniert mit der Bereitschaft der Männer zur Selbstreflexion, ebnen den Weg für Beziehungen, die von Gleichstellung und gegenseitigem Respekt geprägt sind.

Swisscontact verfolgt bei der Arbeit mit Reflexionsgruppen zu Männlichkeit und Geschlechtergleichstellung keinen einheitlichen, standardisierten Ansatz. Stattdessen wird der Ansatz gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen entwickelt und gezielt auf das jeweilige Projekt sowie den lokalen Kontext abgestimmt. Dieser eingebettete, partnergeführte Ansatz ist entscheidend für den Erfolg der Initiative: Es handelt sich nicht um eine isolierte Massnahme, sondern um einen kulturell verankerten und von der Gemeinschaft getragenen Prozess.

2023 - 2026
DR Kongo
Berufliche Erstausbildung, Arbeitsmarktintegration
United for Gender Equality in der Demokratischen Republik Kongo
Das Ziel ist, die sozioökonomischen Kompetenzen junger Männer und Frauen zu stärken, um ihre Autonomie für ein selbstbestimmtes Leben zu fördern. Der Gleichstellung der Geschlechter wird besondere Aufmerksamkeit gewidmet.
2023 - 2027
Niger
Berufliche Erstausbildung, Arbeitsmarktintegration
GWANI
Für ein attraktives und marktgerechtes Berufsbildungssystem.
Das Projekt zielt darauf ab, ein geregeltes, attraktives und an die Bedürfnisse des lokalen Marktes angepasstes Berufsbildungssystem zu entwickeln, das den landwirtschaftlichen und halbindustriellen Privatsektor einbezieht, um junge Frauen und Männer zwischen 15 und 35 Jahren, in den Arbeitsmarkt zu integrieren.
Swisscontact - Swiss Foundation for Technical Cooperation published this content on March 06, 2026, and is solely responsible for the information contained herein. Distributed via Public Technologies (PUBT), unedited and unaltered, on March 06, 2026 at 14:25 UTC. If you believe the information included in the content is inaccurate or outdated and requires editing or removal, please contact us at [email protected]