eco - Verband der deutschen Internetwirtschaft e.V.

01/29/2026 | News release | Distributed by Public on 01/29/2026 05:49

Netzwerkresilienz als Schlüssel moderner Infrastrukturen

Resiliente Netzwerke sind eine zentrale Voraussetzung für den Betrieb moderner Rechenzentren und Telekommunikationsinfrastrukturen. Steigende Anforderungen durch KI-Anwendungen, wachsende Datenströme und neue Sicherheitsbedrohungen rücken dabei zunehmend Architektur und Betrieb der Netze in den Fokus.

Matthias Hahn, Account Management/Network Infrastrukture bei NOKIA, berichtet im eco Interview über aktuelle Herausforderungen für Datacenter und Telko Netze, technologische Entwicklungen jenseits reiner Bandbreite und die Bedeutung quantensicherer Verschlüsselung für die langfristige Netzplanung. Bei den fiberdays 26 am 25. und 26. März 2026 in der Messe Frankfurt wird er in einem passenden Panel auf der eco Datacenter Plaza sprechen.

Resilienz wird oft technisch definiert. Wenn Sie auf Rechenzentren und Telko-Netze blicken: Wo liegen aus Ihrer Sicht heute die größten systemischen Schwachstellen, also weniger in der Hardware, sondern im Design oder Betrieb der Netze?

Wenn Hard- und Software aus zuverlässigen Quellen stammen, dann liegen die Schwachstellen tatsächlich eher im Design und Betrieb der Netze. Redundante Einführungen zum und im RZ sowie disjunkte Wegeführung im Weitverkehrsnetz außerhalb des RZ sind essentiell. Eine Verschlüsselung der Daten auf dem Weg zwischen den RZ und zum Kunden, sowie Schutz gegen DDoS Attacken sind heute Standard, bzw. sollten es sein.

AI-Workloads verändern aktuell die Anforderungen an Netzwerke deutlich. Welche neuen Belastungen sehen Sie konkret für Datacenter-Backbones? Und wo stoßen klassische Architekturprinzipien dabei an ihre Grenzen?

Aktuell werden AI-Workloads auf sehr kleinem Raum verarbeitet. Normalerweise innerhalb eine GPU Clusters z.B. innerhalb eines Racks. Werden die Workloads im Scale-Out auf mehrere Racks in z.B. einem DC-Abschnitt verteilt, hat das schon große Auswirkung auf das Design des AI-Backends. Noch drastischer wird es werden, wenn beim Scale-Across die Workloads über mehrere Abschnitte oder sogar verschiedene RZ-Standort verteilt werden. Hier entwickelt die Industrie derzeit die passende Netzwerktechnik. So wird zum Beispiel der benötigte neue Ultra-Ethernet Standard von vielen großen Firmen im Netzwerkbereich gemeinsam vorangetrieben. Zudem kommen im AI-Backend öfter Rail-Ansätze mit z.T- erheblichen Vorteilen gegenüber Leaf-Spine-Architekturen zur Anwendung. Die Herausforderung hierbei besteht oft darin, diese Ansätze in einen homogenen operativen Betrieb für das gesamte RZ zu überführen.

WDM- und IP-Netze gelten als ausgereifte Technologien. In welchen Bereichen erleben Sie derzeit dennoch die größten Innovationssprünge? Und was davon ist für die Resilienz von Netzen wirklich relevant, jenseits reiner Bandbreitensteigerungen?

Natürlich sind die Bandbreitensteigerungen essentiell. Es überrascht immer wieder in welch kurzer Zeit Bandbreiten, die bei der Einführung überdimensioniert erschienen, tatsächlich benötigt werden. Durch die anstehende Verbreitung von kommerziell nutzbaren Quantencomputern ist auch eine praktikabel einsetzbare Verschlüsselung für die "Post-Quantum-Ära" wichtig.

Der Betrieb der Netze wird immer komplexer. Häufige SW Updates, Integration neuer Systeme mit dem Bestand, schnelle RZ-Ausbauten in einer nie dagewesenen Geschwindigkeit. Leider trifft die steigende Komplexität auf einen Mangel an ausgebildeten Netzwerktechnikern. Daher sehe ich den größten Innovationsbedarf bei der Automatisierung der Netze. Seit Jahren wird über Automatisierung geredet, ohne das Wesentliches passiert wäre. Jetzt scheinen wir an einem Punkt zu sein, an dem erkannt wird, dass es ohne echte Automatisierung in Zukunft nicht mehr möglich sein wird, die komplexen Netzwerkinfrastrukturen sicher und fehlerfrei zu betreiben. Planung mit einem digitalen Zwilling, permanente Ist-Soll-Vergleiche und ausgreifen Rollback-Szenarios werden in wenigen Jahren Standard sein, um Netze wirtschaftlich und sicher betreiben zu können. Die steigende Komplexität sehen wir bei Nokia und unseren Partnern auch anhand der häufiger werdenden Anfragen nach Design- und Architekturworkshops.

Sicherheit und Resilienz werden häufig getrennt betrachtet. Wie verändert die Diskussion um quantensichere Verschlüsselung den Blick auf die langfristige Netzplanung, insbesondere für Betreiber kritischer Infrastrukturen?

Betreiber kritischer Infrastruktur werden schon heute permanent attackiert und müssen sich gegen DDoS-Angriffe oder Social-Engineering effektiv schützen. Eine quantensichere Verschlüsselung ist ein wichtiger Baustein der Netzplanung, um das direkte Abgreifen der Daten auf dem Übertragungsweg, z.B. durch LWL-Koppler zu unterbinden. Je mehr Schutzbedürfnis ein Unternehmen hat, umso mehr Netzwerk-Layer wird es mit Verschlüsselung versehen. Technisch ist das auf optischer und IP-Ebene bereits heute realisierbar.

Im Panel geht es um Lösungen für die RZ- und Telko-Branche. Wenn Sie drei Leitfragen nennen müssten, die sich Entscheider:innen heute stellen sollten, um ihre Netzwerke zukunftsfähig und belastbar aufzustellen, welche wären das?

Meines Erachtens sind folgende drei Fragen besonders zentral:

1. Ist ihr Netzbetrieb ausreichen automatisiert, flexibel und skalierbar und kann künftigen Anforderungen gerecht werden? Sind menschliche Eingabefehler z.B. durch nicht automatisierte Arbeiten direkt am CLI der Netzelemente ausgeschlossen?

2. Wissen Sie wirklich, welchen Weg Ihre Daten nehmen und ist dieser Weg nachvollziehbar?

3. Ist Ihr Netzdesign auf die sich immer schneller ändernden Anforderung an neue Standorte und sich verschiebende Workloads vorbereitet?

Wer diese Fragen positiv beantworten kann, schafft die Grundlage für ein Netzwerk, das nicht nur den aktuellen Betrieb absichert, sondern auch langfristig Geschäftsanforderungen berücksichtigt.

Mehr Informationen zur eco Datacenter Plaza bei den fiberdays 26:

eco - Verband der deutschen Internetwirtschaft e.V. published this content on January 29, 2026, and is solely responsible for the information contained herein. Distributed via Public Technologies (PUBT), unedited and unaltered, on January 29, 2026 at 11:50 UTC. If you believe the information included in the content is inaccurate or outdated and requires editing or removal, please contact us at [email protected]